Die Funktechnik von elektronischen Mautsystemen in Europa

Die EMVU-Informationsseite von Dipl. Ing. Ralf Dieter Wölfle


Das Mautsystem in Deutschland - von Toll-Collect [Mobilfunk Kontrolle]

Das Autobahn-Mautsystem für LKW's in Deutschland arbeitet mit einer Kombination aus Satellitenpositionsbestimmung per GPS und Datenübertragung mit herkömmlichem Mobilfunk.
Das Mautsystem in Deutschland - von Toll-Collect [Mobilfunk Technologie]Dazu wird im LKW ein Autoradio-ähnliches Gerät eingebaut, das über GPS die Position des Fahrzeugs erfaßt, die Fahrstrecke speichert, und anhand der Daten die zu zahlende Maut errechnet. Diese wird dann per GSM-Mobilfunk über GPRS ans Rechenzentrum der Maut-Betreiberfirma "Toll-Collect" gesendet und vom Konto abgebucht.
Für ausländische LKW ist auch eine manualle Bezahlung für festgelegte Strecken im Voraus möglich.

Die meist 500-1000 m vor Autobahnbrücken aufgebauten ca. 300 Maut-Kontrollbrücken dienen dabei nur der Kontrolle. Sensoren auf der Brücke ermitteln, ob es sich bei einem passierenden Fahrzeug um einen mautpflichtigen Lkw handelt. Ist dies der Fall, wird durch eine Kamera ein digitales Übersichtsbild des Fahrzeuges und mehrere digitale Bilder seines Kennzeichens aufgenommen. Gleichzeitig wird mittels Infrarot-Kommunikation festgestellt, ob das Fahrzeug mit einem Fahrzeuggerät ausgerüstet ist und damit ein Datenaustausch zur Überprüfung aller Einstellungen und Zahlungsvorgängen vorgenommen.

Das Mautsystem in Österreich [Mit Mikrowellen das Gehirn braten]

In Österreich nehmen seit Anfang 2004 über die Autobahn aufgebaute Mautbrücken (geplant sind bis zu 800) über Mikrowellen Kontakt zu den an der Windschutzscheibe von LKW's angebrachten Teilnehmergeräten, einer sogenannten Go-Box auf. Diese etwa zigarettenschachtelgroßen Boxen enthalten einen Datenspeicher und einen Mikrowellentransponder sowie eine Batterie. Wenn der Lkw die Mautbrücke passiert, aktiviert deren Mikrowellensender die Box und es findet ein Datenaustausch zur Fahrzeugdaten- und Kostenerfassung statt.

Die Mikrowellenübertragung arbeitet gemäß einem europäischen Standard (CEN TC278) für Nahbereichskommunikation im Bereich von 5,8 GHz (im ISM-Band) mit einer maximalen Sendeleistung von 2 Watt EIRP.
Da metallisierte Windschutzscheiben, wie sie bei vielen LKW's zur Verminderung der Wärmeeinstrahlung verwendet werden, die Mikrowellen zu stark dämpfen und damit einen Datenaustausch verunmöglichen können, werden dafür sogenannte Split-Go-Boxen angeboten, bei denen die Sende/Empfangseinheit außen am Fahrzeug befestigt wird.

Das Mautsystem in der Schweiz

Schweizer Maut mit Tacho MessungIn der Schweiz und in Liechtenstein startete im Jahr 2001 die sogenannte "leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe" (LSVA) für LKW über 3,5 t, welche für alle Straßen zu entrichten ist. Die zu zahlende Gebühr errechnet sich nach der zurückgelegten Entfernung und der Art des Fahrzeugs. Das zugehörige Erfassungsgerät Tripon der Firma Fela im Kanton Thurgau registriert alle gefahrenen Kilometer anhand des Tacho-Impulses und zusätzlich über Satellit (GPS).
Nur an den Grenzen findet an den Zoll-Abfertigungsterminals über dort aufgestellte Mikrowellen-Transponder (DSRC, siehe Österreich) ein Informationsaustausch zum Gerät statt, um beim Überschreiten der Landesgrenze eine korrekte Abrechnung zu ermöglichen.

Schweizer Maut mit VignettenIm Gegensatz zur deutschen und österreichischen Maut, wird die LSVA auf allen Straßen fällig, nicht nur auf den Autobahnen. Das erleichtert die technische Umsetzung ganz erheblich. Das Tripon System muss dabei nämlich nur feststellen, welche Entfernungen innerhalb eines Mautpflichtigen Gebietes zurückgelegt wurden und nicht, wie beim deutschen System, welche Straßentypen dabei benutzt wurden. Diese Entfernungen werden technisch sehr einfach durch eine Auslesung und Speicherung der Tachodaten ermittelt.

Schweizer Maut mit VignettenDie Schweizer Mauterhebung ist also kein GPS-basiertes System wie öfter in den Medien kolportiert oder vom sehr medienwirksam auftretenden Fela Chef Ulmann behauptet.Die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe oder LSVA ist die am 1. Januar 2001 eingeführte Maut für Lkw über 3.5 Tonnen in der Schweiz und Liechtenstein.

 

RFID - ÜBERWACHUNGSTECHNIK
Briten testen funkende Autokennzeichen

http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,369248,00.html

Um das Fälschen von Nummernschildern zu erschweren, will Großbritannien Autos testweise mit Funketiketten ausstatten. Der Weg eines Wagens könnte so lückenlos verfolgt werden - Datenschützer sind besorgt.


as Mautsystem in Deutschland - von Toll-Collect [Mobilfunk Technologie]Überwachtes Auto mit RFID Technik:
Das Nummernschild funkt seine ID an den Empfänger

Es gibt gute Gründe, mit einem gefälschten Autokennzeichen durch London zu fahren. Seit für das Befahren des Zentrums eine Gebühr fällig wird, ist Mautprellen zum Sport geworden. Pro Tag kostet das Befahren der City immerhin fünf Pfund - umgerechnet mehr als sieben Euro.

Videokameras scannen zwar das Nummernschild jedes ein- und ausfahrenden Pkw, um zu überprüfen, ob die Maut auch bezahlt wird. Bei gefälschten Kennzeichen sind die Kameras jedoch machtlos. Auch Terroristen, so fürchten Sicherheitskräfte, könnten zu gefälschten Schildern greifen, um sich unerkannt bewegen zu können.

Deshalb hat das britische Verkehrsministerium nun grünes Licht für Nummernschilder mit integrierten Funketiketten gegeben. Wie das Magazin "Wired" berichtet, soll ein Test der RFID-Chips an Autos noch in diesem Jahr beginnen. Nach Angaben einer der am Test beteiligten Firmen sollen zunächst Polizeiwagen mit den Funkchips ausgestattet werden.

RFID-Chips sollen langfristig den heute im Handel üblichen Barcode ablösen. Die Funketiketten brauchen keinerlei Strom und funken in der Nähe aktiver Sender ihre ID zurück. Die Reichweite solcher passiver Chips liegt jedoch nur im Zentimeterbereich.

In den Nummernschildern kommen deshalb aktive RFID-Chips zum Einsatz, die dank einer Batterie auch aus 100 Meter Entfernung registriert werden können. Ein Vorteil der Chips gegenüber herkömmlichen Schildern ist, dass sie nur schwer gefälscht werden können.

Die britische Firma E-Plate bewirbt bereits die komplette Ausrüstung zur Überwachung des Autoverkehrs. Kleine Sensoren, die beispielsweise an Autobahnauffahrten oder Tunneleinfahrten montiert werden, können pro Sekunden bis zu 200 Autos scannen.

City-Maut-Kamera in London: Kfz-Kennzeichen werden as Mautsystem in Deutschland - von Toll-Collect [Mobilfunk Technologie]automatisch gescannt.

Dutzende über die Stadt verteilte Sensoren melden ihre Daten permanent an einen Server, der dann sehr leicht Bewegungsprofile von Autos erstellen könnte. Datenschützern bereitet die Technik Sorgen. "Es ist zu einfach, das als verstecktes Überwachungs-Tool einzusetzen", sagte Jim Harper vom Cato Institute, gleichzeitig Datenschutzberater des US-Heimatschutzministeriums. In den USA werden die Tests aufmerksam verfolgt, auch dort interessiert man sich für die RFID-Kennzeichen.

Schon heute werden Funkchips vereinzelt auf US-Straßen eingesetzt, etwa um ausländische Lkw und Pkw damit zu kennzeichnen oder um Straßenmaut abzurechnen.

Der deutsche Mautanlagenbetreiber Tollcollect hätte ebenfalls Funkchips zum Erfassen der Lkw einsetzen können, entschied sich jedoch für ein GPS-gestützes System. Zusätzlich werden Nummernschilder mit Kameras abgescannt, die auf Brücken über der Autobahn montiert sind. Die Kameras erfassen auch Nummernschilder von Pkw, diese Daten werden jedoch laut Tollcollect nicht weiter verarbeitet. Anhand der gescannten Lkw-Kennzeichen überprüft Tollcollect, ob die Speditionen ihre Maut auch korrekt abrechnen.

Im März 2004 hatte die Computerzeitschrift "c't" als Aprilscherz "enthüllt", dass auch in Deutschland Autokennzeichen vereinzelt RFID-Chips tragen. Eine Tüv-Prüfplakette, wie sie auf jedem Schild am Fahrzeugheck klebt, habe angeblich einen solchen Chip getragen, hieß es in der Meldung. Was als Scherz gemeint war, könnte sich schon bald als real erweisen.